Mit Franziskus und Klara unterwegs in Assisi

Mit einem Koffer voller „Entdeckergläser“ wurden die 45 Teilnehmer/-innen der zweiten Lehrer-Schüler-Eltern Wallfahrt des Fachbereichs III der Abteilung Schule und Religionsunterricht erwartet.

Ausgestattet mit diesem leeren Glas, dass es über die Tage zu füllen galt, vor allem aber gerüstet mit dem Reisesegen durch Weihbischof Florian Wörner, ging es am Abend des Pfingstsonntags dann auf in Richtung Assisi.

Nach einer ruhigen Fahrt durch die Nacht war mit Perugia das erste Reiseziel bereits um 08:30 erreicht. Gestärkt mit dem ersten „richtigen“ Cappuccino und einem Cornetto feierte die Gruppe zusammen Lehrerseelsorger Pater Norbert M. Becker msc einen pfingstlichen Gottesdienst, der ganz unter dem Leitgedanken stand, miteinander in der Herzenssprache zu sprechen. Ein Herz war denn auch das erste Symbol für das eigene Entdeckerglas. Danach führte Markus Moder die Reisegruppe wie auch in den folgenden Tagen kompetent und anschaulich durch die Stadt und erläuterte wichtige architektonische und historische Fakten. Nach dem Mittagessen und einer zweiten Fahrt mit der Minimetro, die uns alle sehr faszinierte, ging es weiter zum eigentlich Ziel der Reise: Assisi

Dort angekommen bezogen wir unsere Quartiere, und nach einer Pause stand am Nachmittag der erste Stadtrundgang auf den Spuren des heiligen Franziskus an. Dabei nahmen wir seine Kindheit und Jugend in den Blick, besuchten unter anderem sein Geburtshaus, dem Marktplatz der Stadt, aber auch den Ort, wo ihn sein Vater einsperren ließ, um ihn „zur Besinnung“ zu bringen.

Vor dem Dom von San Rufino, der Taufkirche des Heiligen, erinnerten wir uns in einer Andacht an unsere eigene Taufe und dran, dass wir alle von Gott beim Namen gerufen sind. Dann erwartete uns, wie an allen Abenden, ein köstliches italienisches Abendessen mit leckerer Pasta. Umrahmt vom Gesang einer amerikanischen Pilger-Musik-Artistikgruppe und musikalischen Beiträgen der Reiseteilnehmer klang der Abend über den Dächern der Stadt aus.

Der zweite Tag wurde mit einem Morgenlob in der Kirche Santo Stefano eröffnet. Das Tau, als Zeichen der franziskanischen Familie, stand dabei im Mittelpunkt, und alle Teilnehmer/-innen bekamen ein solches überreicht. Nach außen bekennen und zeigen, woran wir glauben, dies war dabei der Leitgedanke, den Dr. Kristina Roth in ihrem Impuls entfaltete. Auf dem Weg zur Kirche San Francesco bot sich bereits ein wunderschöner Blick auf das Umland von Assisi. In San Francesco wurden wir von Bruder Thomas, einem deutschen Franziskaner, erwartet, der uns anschaulich in die Bildsprache der Kirche einweihte und einlud, sich selbst in diese Bilderwelt mit unseren Lebens- und Glaubensthemen einzuweben. Im Anschluss stellte er sich noch den Fragen unserer sieben jungen Teilnehmer/-innen, welche als Jugendreporter über die Tage mit Kamera und Smartphone die Reise dokumentierten.

Am Nachmittag führte der Weg uns aus der Kernstadt Assisi ins Tal, hinunter nach Rivotorto, dem Ort, an dem der Heilige Franziskus seine ersten Hütten für sich und seine Gefährten baute. Nach einer Führung und Zeit zum persönlichen Gebet ging es dann nach Santa Maria degli Angeli.

Diese riesige Kirche, gebaut um das kleine Kirchlein Portiuncula, aber auch die Franziskusstatue mit lebenden Tauben und der Garten neben der Kirche beeindruckten sehr. In einer abschließenden Andacht waren die Teilnehmer eingeladen, eigene Portiuncula- Momente im Leben zu entdecken – Kleinigkeiten im großen Getriebe des Alltags.

Während ein Teil der Gruppe dann zu Fuß nach Assisi zurückging, wählten andere den Bus, und die Kinder und Jugendlichen nutzen die Zeit, um auf dem Platz vor dem Dom San Rufino T-Shirts mit Segenssymbolen zu gestalten, als Erinnerung an die Reise. Nach dem Abendessen fand sich noch eine musikbegeisterte Gruppe, um zusammen mit Pater Norbert verschiedene Lieder mehrstimmig einzuüben, was wir in den folgenden Tagen dann auch immer wieder hören durften.

Der Mittwoch stand ganz im Zeichen der Schöpfung. In einer Gruppe um Pater Norbert Becker gingen die Erwachsenen, angeregt durch Impulse, zur Eremo delle Carceri. Auch die Kinder und Jugendlichen stellten sich der Herausforderung des steilen Weges und gingen als Gruppe mit Dr. Kristina Roth  voraus. Unterbrochen von kleinen Gesprächsrunden, das Laudato si singend und zwischendurch gestärkt mit einem Energieriegel kamen die Jüngsten dann auch als Erstes, müde aber sehr stolz, bei der Eremo an.

Dort feierte die gesamte Gruppe einen wunderschönen Schöpfungsgottesdienst im Freien, und umrahmt von echten Echsen und eigens für die Wallfahrt geschriebenen Liedern von Pater Becker konnten wir die besondere Verbindung zur Natur, die den heiligen Franziskus so geprägt hat, gut nachempfinden. Danach erwartete uns ein leckeres Picknick, ergänzt mit Siesta auf der Wiese und erlebnispädagogischen Spielen. Der Nachmittag stand zur freien Verfügung und so wurde die Burg erkundet, der Bosco San Francesco besucht oder einfach nur ein Gelato genossen.

Der letzte Tag stand ganz im Zeichen der heiligen Klara, und so begannen wir diesen mit einem Morgenimpuls vor „ihrer“ Kirche und versuchten, uns den Begriffen Armut, Gehorsam und Ehelosigkeit – in ihrer Bedeutung für heute und für jeden ganz persönlich - anzunähern. Nach einer umfassenden Einführung in die Kirche sowie deren Bedeutung und Geschichte durch Markus Moder war Zeit zur eigenen Erkundung. Danach wurden letzte Einkäufe getätigt, und am Nachmittag gingen wir gemeinsam zu Fuß nach San Damiano. Dieses kleine Kloster, mitten in einem Olivenhain gelegen, war der Ort für unsere abschließende Messfeier. Die Ruhe dort, der Blick zurück auf Assisi, der Gottesdienst am Namenstag des franziskanischen heiligen Antonius von Padua und auch das Aufeinandertreffen mit verschiedenen Ordensleuten franziskanischer Prägung verbanden die Lebensspuren der heiligen Franziskus und Klara mit dem Heute und uns selbst.

Nach einem leckeren italienischen Abendessen traten wir um 21:00 Uhr unsere Heimreise an und wurden sicher und wohlbehalten am nächsten Morgen am Augsburg Dom abgeliefert. Mit einer echten italienischen Baci-Praline und dem Segen von Franziskus für Bruder Leo wurden die Teilnehmer/-innen verabschiedet. Die Entdeckergläser, vor allem aber auch Kopf und Herz, waren am Ende der Reise gut gefüllt.

Dr. Kristina Roth