Zwölf Tage lang tauchten Religionslehrkräfte des Bistums Augsburg gemeinsam mit ihren Reisebegleitungen in die faszinierende Welt Usbekistans ein. Die diesjährige Studienreise der Abteilung Schule und Religionsunterricht führte die 34-köpfige Gruppe durch ein Land voller Geschichte, kultureller Schätze und gelebter Gastfreundschaft.
Die Studienreise dient der beruflichen Fortbildung von Lehrkräften mit dem Fach Katholische Religionslehre und wird im Rahmen der Fortbildungspflicht für Religionslehrkräfte i. K. angerechnet. Zur Vorbereitung fand bereits im März dieses Jahres im Exerzitienhaus St. Paulus in Leitershofen eine dreistündige Einführungsveranstaltung statt. Referent Gerhard Birkl vermittelte dabei grundlegende Kenntnisse zur Geschichte, Kultur und den Religionen Usbekistans.
Unter der Leitung von Ludwig Sauter, Dorothea Kleele-Hartl und Rebekka Jähnig startete die Reise in München und führte über Istanbul nach Taschkent, der Hauptstadt Usbekistans. Bereits dort erhielten die Teilnehmenden erste Eindrücke von der kulturellen und religiösen Vielfalt des Landes. Auf dem Programm standen neben dem eindrucksvollen Khast-Imam-Komplex u.a. auch eine Fahrt mit der berühmten Taschkenter U-Bahn sowie ein Besuch auf einem traditionellen Basar.
Mit dem Zug ging es anschließend nach Margilan im Ferganatal, einem Zentrum jahrhundertealter Handwerkskunst. In einer Seidenmanufaktur konnten die Reisenden die Herstellung der berühmten Margilan-Seide erleben. Ebenso beeindruckte die kunstvolle Keramikproduktion in der Töpferstadt Rishtan mit ihren leuchtenden Farben und traditionellen Techniken. Zu den besonders bewegenden Begegnungen zählte der Besuch bei einer kirgisischen Familie, deren herzliche Gastfreundschaft allen lange in Erinnerung bleiben wird.
Die Rückfahrt nach Taschkent führte durch das malerische Ferganatal, das von imposanten Gebirgszügen eingerahmt wird. Von dort aus setzte die Gruppe ihre Reise nach Samarkand fort – einer der bedeutendsten Städte entlang der historischen Seidenstraße. Die „steinerne Stadt“ begeisterte mit ihrer einzigartigen Architektur, allen voran dem weltberühmten Registan-Platz, der bei einer abendlichen Lichtshow seine ganze Pracht entfaltete. Ein weiterer Höhepunkt war der Besuch des Observatoriums von Ulug Beg, dessen astronomische Forschungen ihrer Zeit weit voraus waren.
Besondere Einblicke in das alltägliche Leben ermöglichte die Einladung des langjährigen Reiseführers Shavkat zu einem traditionellen Plov-Essen bei sich zuhause. Das usbekische Nationalgericht wurde dabei nicht nur zum kulinarischen Genuss, sondern auch zum Ausdruck gelebter Gastfreundschaft.
Nach einer morgendlichen Andacht in einer polnisch-katholischen Kirche führte die Reise mit dem Schnellzug weiter nach Buchara, der „edlen und heiligen Stadt“. Dort erhielten die Teilnehmenden eine Einführung in die Kunst der Kalligrafie und besuchten mit dem Naqschbandi-Komplex eines der wichtigsten religiösen Zentren Usbekistans und der islamischen Welt. Eindrucksvoll war auch die berühmte 40-Säulen-Moschee mit ihrem eindrucksvollen Wasserspiegel und die Zitadelle Ark.
Ein besonderer Programmpunkt war der Besuch an der Universität von Buchara. Bei einem Austausch mit Professoren und Studierenden der Germanistik entstanden spannende Gespräche über Kultur, Sprache und Lebenswelten. Die Begegnungen eröffneten zugleich Einblicke in das usbekische Bildungswesen, die Lehrerbildung sowie die Bedeutung der deutschen Sprache für junge Menschen im Land. Gemeinsam erkundete man zudem das jüdische Viertel der Stadt und gewann dabei wertvolle Einblicke in die religiöse Vielfalt Usbekistans.
Am zehnten Reisetag führte die Route durch die weiten Landschaften der usbekischen Wüste nach Chiwa. Die historische Oasenstadt gilt als Freilichtmuseum und beeindruckt mit mehr als 50 bedeutenden Bauwerken. Zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten zählen das unvollendete Kalta-Minor-Minarett sowie die prächtige Juma-Moschee mit ihren zahlreichen kunstvoll geschnitzten Holzsäulen. Ein stimmungsvoller Abend mit Blick auf die untergehende Sonne über den Dächern der Altstadt bildete den krönenden Abschluss der Rundreise.
Während der gesamten Reise sorgte Lehrerseelsorgerin Dorothea Kleele-Hartl mit spirituellen Impulsen, Andachten und virtuellen Morgengebeten für bereichernde Momente der Besinnung und Gemeinschaft.
Nach zwölf erlebnisreichen Tagen trat die Reisegruppe schließlich die Heimreise an – bereichert durch unzählige Begegnungen, neue Perspektiven und tiefe Eindrücke. Die Studienreise machte deutlich, wie vielfältig und faszinierend Usbekistan ist: ein Land zwischen Tradition und Moderne, zwischen Orient und Okzident, geprägt von großer Gastfreundschaft und friedvollem Zusammenleben trotz kultureller und religiöser Vielfalt. Die Teilnehmenden kehrten mit vielen unvergesslichen Erinnerungen, neuen Freundschaften und einem erweiterten Blick auf die Welt nach Hause zurück.
So bot die Studienfahrt den Teilnehmenden durch das breitgefächerte Programm an kultureller und multireligiöser Begegnung die Gelegenheit, sich fachlich vertieft und differenziert mit dem Islam in seinen unterschiedlichen Ausprägungen, aber auch mit christlicher und jüdischer Tradition in Zentralasien zu beschäftigen – eine Horizontweitung, die auch in den Religionsunterricht der mitreisenden Lehrkräfte hineinwirken dürfte.
