Ein Bilderbuch über Weihnachten, Zugehörigkeit und die Frage: Was bedeutet dieses Fest eigentlich?
„Weihnachten, was ist das?“ – Mit dieser Frage bringt Assia, ein Mädchen, das neu in ihrer Klasse ist, ihre Mitschülerinnen und Mitschüler zunächst zum Staunen. Für die anderen Kinder ist doch klar, was Weihnachten ist: Plätzchen backen, Geschenke bekommen, den Weihnachtsbaum schmücken, mit der Familie feiern …
Doch Assia kennt Weihnachten nicht. Sie kommt aus einem Land, in dem Krieg herrscht, und erlebt nun eine Welt, in der Weihnachten überall sichtbar ist. Lichterketten, Tannenbäume, Adventskränze und Weihnachtslieder begegnen ihr – aber was all das bedeutet, bleibt ihr zunächst fremd.
Das Bilderbuch „Weihnachten ist, wenn“ von Max Bolliger und Giovanni Manna erzählt auf behutsame Weise von diesem Fremdsein. Und es stellt eine Frage, die weit über Weihnachten hinausweist:
Was passiert, wenn etwas für die einen selbstverständlich ist, für andere aber ganz neu?
Als Assia in der Schule fragt, was Weihnachten eigentlich ist, haben die Kinder ganz unterschiedliche Antworten. Erst die Lehrerin erzählt von der Weihnachtsgeschichte: von Maria und Josef, von den Hirten und den Engeln und von den drei Königen, die aus einem fernen Land zur Krippe kamen.
Assia horcht auf. Auch sie ist von weit hergekommen.
Und schließlich findet Assia ihre ganz persönliche Antwort:
„Weihnachten ist, wenn ich froh bin.“
Weihnachten mit anderen Augen sehen
Gerade für den Religionsunterricht bietet die Geschichte einen schönen Anlass, die eigenen Vorstellungen von Weihnachten einmal genauer anzuschauen.
Denn was gehört für uns eigentlich zu Weihnachten? Der Adventskranz? Der Weihnachtsbaum? Geschenke? Plätzchen? Die Familie? Der Gottesdienst? Die Krippe? Die Geburt Jesu?
Die Geschichte macht deutlich: Weihnachten kann mit vielen persönlichen Erfahrungen und Traditionen verbunden sein. Gleichzeitig lädt sie dazu ein, zwischen unseren heutigen Weihnachtsbräuchen und der christlichen Weihnachtsgeschichte zu unterscheiden.
Auch die Inklusionsperspektive lässt sich dabei gut aufgreifen: Nicht alle Menschen verbinden mit Weihnachten genau dasselbe. Unterschiedliche Erfahrungen, Traditionen und Vorstellungen dürfen nebeneinanderstehen. Gerade darin liegt eine Chance für gemeinsames Lernen.
So wird die Frage „Was ist Weihnachten?“ zu einer Einladung, genauer hinzuschauen:
- Was gehört für mich zu Weihnachten?
- Was erzählt die Bibel?
- Was macht für mich den Kern dieses Festes aus?
AUSPROBIERT!
Kleine Impulse für die Relistunde oder den Schulalltag
Weihnachten ist, wenn … – eine Idee für die ganze Schulfamilie
Im Eingangsbereich der Schule hängt ein Plakat mit dem Satzanfang: „Weihnachten ist, wenn …“
Dazu liegen Karten oder ausgeschnittene Sterne u.a. bereit, auf denen Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte, Mitarbeitende ihren Satz ergänzen können. So entsteht nach und nach eine ganz persönliche Sammlung:
- Weihnachten ist, wenn wir gemeinsam lachen.
- Weihnachten ist, wenn Jesus geboren wird.
- Weihnachten ist, wenn es das warme Schokoküchlein gibt.
- Weihnachten ist, wenn Gott Mensch wird.
- Weihnachten ist, wenn wir einen Tannenbaum aufstellen.
- Weihnachten ist, wenn Ferien sind.
- Weihnachten ist, wenn ich Zeit für meine Familie habe.
- Weihnachten ist, wenn wir an andere denken.
- Weihnachten ist, wenn jemand nicht allein ist.
- Weihnachten ist, wenn jung und alt zusammen feiern.
- Weihnachten ist, wenn wir einander zu hören, trotz verschiedener Vorstellungen und Werte.
- Weihnachten ist, wenn Begegnung Verbindung schafft, über Generationen.
Die Vielfalt der Antworten wird sichtbar – und vielleicht entsteht gerade daraus ein besonderer Weihnachtsmoment in der Schule.
Die gesammelten Karten/Sterne können anschließend noch einmal aufgegriffen werden, zum Beispiel im Rahmen des Schulgottesdienstes vor Weihnachten. Einige Sätze werden vorgelesen und miteinander verbunden.
Aus den persönlichen Gedanken kann so auch ein gemeinsamer Impuls bzw. eine Weihnachtsbotschaft oder -karte für Lehrkräfte, Mitarbeitende oder Eltern entstehen:
- Weihnachten ist, wenn wir einander sehen.
- Wenn wir Zeit füreinander haben.
- Wenn wir einander verzeihen.
- Wenn niemand vergessen wird.
- Wenn wir teilen, was wir haben.
- Wenn wir einander Mut machen.
- Weihnachten ist, wenn Hoffnung Raum bekommt.
Weihnachten ist, wenn … – eine Idee für den Religionsunterricht
Weihnachten – typisch oder biblisch?
Nach dem Vorlesen des Bilderbuches werden verschiedene Begriffe rund um Weihnachten gesammelt.
Zum Beispiel:
- Jesus
- Weihnachtsbaum
- Meer reisen
- Geschenke
- Plätzchen
- Krippe
- Maria
- Josef
- Hirten
- Engel
- Könige
- Sterne
- Nikolaus
- Oma und Opa kommen
- Familie
- Gottesdienst
- Wunschzettel
Die Schülerinnen und Schüler überlegen zunächst: Was gehört für mich zu Weihnachten?
Danach wird gemeinsam gesammelt: Was davon finden wir in der Weihnachtsgeschichte?
Die Begriffe werden gemeinsam sortiert oder mit zwei unterschiedlichen Symbolen gekennzeichnet, z.B. einem Christbaum und einer Bibel.
Dabei darf es natürlich auch Überschneidungen geben.
Im Gespräch können anschließend Fragen entstehen wie:
- Was gehört für uns heute ganz selbstverständlich zu Weihnachten?
- Was erzählt die Bibel tatsächlich?
- Was ist uns persönlich besonders wichtig?
- Warum gehören Dinge wie Geschenke oder der Weihnachtsbaum für viele Menschen zu Weihnachten, obwohl sie nicht Teil der biblischen Weihnachtsgeschichte sind?
- Und was könnte mit Assias Satz gemeint sein: „Weihnachten ist, wenn ich froh bin“?
Zum Abschluss vervollständigen die Schüler/-innen ihren eigenen Satz: „Weihnachten ist für mich …“ - als Wort, Satz oder kleines Bild.
So verbindet die Unterrichtsidee persönliche Lebenswelt, christliche Weihnachtsgeschichte und den Gedanken der Vielfalt – und macht zugleich sichtbar: Ein Fest kann für Menschen unterschiedliche Bedeutungen haben.
Vielleicht liegt gerade darin eine schöne Weihnachtsbotschaft: Wir müssen nicht alles gleich erleben, um miteinander feiern und lernen zu können.
